Der Ausbruch und die Entwicklung der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise hat zu einer tiefgreifenden Verunsicherung in Wirtschaft, Gesellschaft und Politik geführt. Viele Unternehmen, Organisationen und Regierungen
haben erkannt, dass sie mögliche Entwicklungsverläufe vorausdenken müssen. Ein Instrument zur Untersuchung solcher optionaler Entwicklungen sind Szenarien. Sie stellen – anders als Prognosen – nicht nur eine erwartete Zukunft dar, sondern mehrere denkbare „Zukünfte“. Szenarien sind ein Denkwerkzeug, um sich auf verschiedene Eventualitäten vorzubereiten.
Szenarien zur Finanz- und Wirtschaftskrise
Um mögliche Verläufe der Finanz- und Wirtschaftskrise aufzuzeigen, wurden solche Szenarien in den vergangenen Monaten von vielen renommierten Wirtschafts- und Zukunftsforschungs-Institute entwickelt sowie von verschiedenen Zeitungen und Zeitschriften veröffentlicht. Dabei haben sie, je nach Schwerpunkt oder Zielgruppe, unterschiedliche Schwerpunkte gewählt. Die ScMI AG hat diese Szenarien analysiert und unter Nutzung seiner Szenario-Management-Methode sowie seiner Szenario-Software miteinander verknüpft. Das Ergebnis sind sieben übergreifende Szenarien, die den derzeitigen Wissensstand zusammenfassen. Das Spektrum der aufgezeigten Zukünfte reicht von neuem Wachstum ohne signifikanten Wandel der Welthandelsstrukturen (Szenario 1) bis zu einem weltwirtschaftlichen „Tsunami“ mit der Gefahr globaler Kapitalschnitte (Szenario 7).
Ein wesentlicher Vorteil der vorliegenden Szenarien ist, dass neben den Extremfällen auch relevante Zwischentöne und weitere Schlüsselgrößen herausgearbeitet wurden. So denkt das Szenario 2 einen schnellen Übergang zu einer stärker multilateralen Weltwirtschaftsordnung voraus, während das Szenario 3 vor dieser Entwicklung eine längere Krise ausmacht. Bei den eher pessimistischen Zukunftsbildern reicht das Spektrum von einer in Schockstarre verharrenden Marktwirtschaft (Szenario 4) über eine rasante Verschiebung der weltwirtschaftlichen Gewichte in Richtung Asien (Szenario 5) bis zu einer langanhaltenden Rezession mit starken Elementen eines Staats-Kapitalismus (Szenario 6).
Die Analyse der Szenarien zeigt, dass es bei den verschiedenen Instituten unterschiedliche Perspektiven auf die Krise gibt: Während rein ökonomische Institute stärker auf den Krisenverlauf blicken, fokussieren sich die Trend- und Zukunftsforscher auf die Frage, wie sich die Welt nach der Krise darstellen könnte. Der ScMI AG geht es mit ihren Szenarien darum, die verschiedenen Perspektiven zusammenzuführen und einen Überblick zu geben. Daher nutzt die ScMI AG ihr Instrumentarium auch dazu, aus den Zukunftsentwürfen der verschiedenen Institute eine gemeinsame „Landkarte der Zukunft“ zu zeichnen.
Eine ähnliche Landkarte zeigte bereits 2003 die Zukunft der globalen Finanzmärkte auf. Seinerzeit oblag der ScMI AG die methodische Leitung eines interdisziplinären Teams der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste (EASA). Dort filterte das Szenario-Management sechs mögliche Zukunftsentwicklungen heraus – von der massiven Deregulierung bis zur Einschränkung der Kapitalmobilität. Fünf der sechs damals entwickelten Szenarien enthielten signifikante Bankenkrisen – nur ein Szenario beschrieb krisenresistente Finanzmärkte. Es war ein innovatives und marktwirtschaftlichen Szenario mit dem Titel „Globale Regulierung der Finanzmärkte sichert langfristiges Wachstum“.
Eine ausführliche Beschreibung der Szenarien können Sie hier herunterladen.



