Die Zukunft der Schiffbau- und Offshore-Zulieferindustrie 2024

Der Schiffbau- und Offshore-Weltmarkt ist starken zyklischen Schwankungen unterworfen. Um trotzdem langfristige Orientierung zu gewinnen, hat die VDMA Arbeitsgemeinschaft Schiffbau- und Offshore-Zulieferindustrie in einer Szenario-Konferenz verschiedene Szenarien entwickelt.

In Deutschland ist die Schiffbau- und Offshore-Zulieferindustrie (Marine Equipment Systems) ein bedeutender Wirtschaftszweig mit über 11 Milliarden Euro Umsatz. Diese High- Tech Branche beschäftigt knapp 70.000 hochqualifizierte Menschen in rund 400 Unternehmen, die Produkte für den Weltmarkt entwickeln, fertigen und über den gesamten Lebenszyklus betreuen.

Der Schiffbau- und Offshore Weltmarkt ist starken zyklischen Schwankungen unterworfen. Eine herausragende Aufgabe des Managements in den Betrieben ist deshalb die Beurteilung der zukünftigen Marktänderungen zur Weiterentwicklung der eigenen Unternehmensstrategie. Doch wie entwickelt sich der Markt für die Schiffbau- und Offshore-Zulieferindustrie langfristig, also z.B. in den nächsten 11 Jahren? Um diese Frage zu klären, hat die Arbeitsgemeinschaft VDMA Schiffbau- und Offshore-Zulieferindustrie 2010 Szenarien entwickelt und diese 2013 grundlegend überarbeitet. Die sechs entwickelten Szenarien sind dabei mögliche Entwicklungen, die frei von Wahrscheinlichkeiten zu betrachten sind.

Technology push – Innovationsangebote (Szenario 1)
In einem national geprägten und stark fragmentierten Umfeld treiben die Zulieferer des maritimen Sektors die technologische Entwicklung aktiv durch ihr breites und innovatives Lösungsangebot.
Innovationsvielfalt bei hoher Nachfrage (Szenario 2)
Das hochattraktive Umfeld führt zu zahlreichen spezialisierten Anbietern im Bereich der maritimen Zulieferbranche, die sich einen intensiven Technologiewettbewerb liefern.
Neue Geschäftsmodelle als Herausforderung (Szenario 3)
Neue Wettbewerber aus anderen Bereichen drängen in den attraktiven Markt und bedienen die Nachfrage nach Automatisierungslösungen, Serviceleistungen und Finanzierungsangeboten.
Freies Spiel der Kräfte – Masse statt Klasse (Szenario 4)
Die globale Angleichung führt zu neuen Wettbewerbern im weltweiten Markt für maritime Anlagen, in dem Standardlösungen dominieren und Innovationen keinen Wettbewerbsvorteil bieten.
Freier Fall – Instabiles Marktumfeld (Szenario 5)
Politische Unsicherheiten und eine schwache Weltwirtschaft schwächen die globale Schifffahrt und Offshore-Nutzung, was für die gesamte maritime Branche zur Herausforderung wird.
Market pull – Innovationsnachfrage (Szenario 6)
Das eher national geprägte und fragmentierte Umfeld fragt innovative Lösungen im maritimen Sektor nach, welche durch die Zulieferer innerhalb der stagnierenden Branche befriedigt werden kann.

Bewertung des Zukunftsraumes

Das Szenarioteam hat die genannte Bewertung für jede einzelne Zukunftsprojektion abgegeben: Wie nah ist der beschriebene zukünftige Entwicklung an der Gegenwart? Welche Entwicklungen erwartet die Branche? Und zusätzlich: Was wären für die Zulieferbranche wünschenswerte Zukunftsprojektionen? Aus dem Abgleich mit den einzelnen Szenarien lässt sich so ein Gegenwarts- und ein Erwartungsraum beschrieben, der mehrere unterschiedliche Szenarien umfasst.

Nah an der heutigen Situation liegen die Szenarien 4, 5 und 6. Vor allem die nach wie vor hohe Bedeutung klassischer Energieträger sowohl für den Antrieb als auch für die Nutzung von Offshore-Anlagen führen zu dieser Einschätzung. Der Erwartungsraum liegt im Mapping deutlich weiter oben und umfasst die Szenarien 1 und 2. Dieser beinhaltet vor allem hochinnovative Technologien und eine Weiterentwicklung konventioneller Energieerzeugung und -speicherung. Diese Veränderungen werden erwartet und mit all ihren Herausforderungen für die Zulieferbranche auch gewünscht.

Herausforderungen der Zukunft

Ferner wird erwartet, dass sich der Spezialisierungsgrad weiter erhöht. Dieser umfasst alle Arten maritimer Anlagen und hat Auswirkungen auch auf die Produktion, den Betrieb und die Wartung. An dieser Stelle sind die Zulieferer mit innovativen Ansätzen in der Zukunft besonders gefragt. Eine besondere Rolle spielen auch die Entwicklungen im Energiesektor. Innovationen im Bereich erneuerbarer Energien, besonders aber auch der Energiespeicherung werden deutlich spürbare Auswirkungen auf den maritimen Sektor haben. Die identifizierten erwarteten Veränderungen sind Indikatoren, die man im Rahmen einer strategischen Früherkennung gezielt beobachten sollte.