Die Strahlkraft einer europäischen Integration gehört der Vergangenheit an. Die Europäische Union wird von Partikularinteressen aufgerieben, worunter vor allem das östliche Mitteleuropa leidet. Viele der autokratischen und staatswirtschaftlichen Staaten Osteuropas orientieren sich nicht mehr am Westen, sondern an Russland, das sich in der sicherheitspolitisch zersplitterten Welt als regionale Hegemonialmacht behauptet. Europa lässt seinen östlichen Nachbarn gewähren, da es zunehmend von dessen Ressourcen abhängig ist.

Die Europäische Union steht vor der faktischen Spaltung. Während die osteuropäischen Mitglieder unter einer langanhaltenden Rezession leiden, orientieren sich die West-Europäer an ihren eigenen Interessen und verständigen sich – beispielsweise bei der Ressourcenversorgung – direkt mit Russland. Damit verliert die EU in ihren östlichen Mitgliedsstaaten noch weiter an Attraktivität. Es kommt zu einer Abkopplung und einer „Quasi-Rücknahme“ der bereits erfolgten Osterweiterung.

Europa kann mit der geopolitischen Dynamik kaum noch mithalten und fällt im weltwirtschaftlichen Wettbewerb gegenüber den USA sowie den aufstrebenden Ökonomien in Asien und Südamerika erkennbar zurück. Verbunden mit einer langanhaltenden Rezession gerät der Integrationsprozess der EU ins Stocken – die östlichen Mitgliedsstaaten fallen auch im internen Wettbewerb zurück und sind von gesellschaftlichen Krisen betroffen. Das restliche Osteuropa bleibt trotz erkennbarer Westorientierung außen vor.

Die Konsolidierung der EU hat zu einer integrierten „Union der 27“ geführt, in der sich soziale Marktwirtschaften mit leistungsfähigen Sozialsystemen entwickelt haben. Die heutige EU-Ostgrenze ist eine gemeinsame Politiklinie und trennt die wohlhabenden östlichen EU-Staaten vom stagnierenden Teil Osteuropas. Die machtvolle EU befindet sich in einem grundlegenden Interessenkonflikt mit dem autokratischen Russland.

Russland betont seine Rolle als eigenständige Großmacht und versucht, in seinem „nahen Ausland“ eine eigene Staatengemeinschaft zu etablieren. Diesem, durchaus auch militärischen, Druck widersetzen sich die meisten osteuropäischen Staaten und begeben sich unter den „westlichen Schutzschirm“ von NATO und Europäischer Union. Diese erweiterte EU gibt sich moderne Strukturen und bietet die Basis für Wachstum und Wohlstand, von dem gerade ihre osteuropäischen Mitglieder profitieren.

Die drei Machtzentren in Brüssel, Moskau und Washington sind zusammengerückt. Auf der Grundlage des westlichen Demokratiemodells ist ein prosperierender Wirtschaftsraum entstanden, der vom Atlantik bis zum Ural – und darüberhinaus – reicht. Besondere Nutznießer sind die östlichen EU-Mitglieder, die zunehmend mit dem Westen gleichziehen, und die weiteren Staaten Osteuropas, die ihre Brückenfunktion ausnutzen und sich zu international erfolgreichen Wirtschaftsstandorten entwickeln.

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