Die Zukunft der urbanen Mobilität 2040

Mobilität bewegt – nicht nur im wortwörtlichen Sinne, sondern auch die Gemüter. Vielfältig sind die Anforderungen an unsere Fortbewegungsmittel, ebenso wie die Meinungen innerhalb der Bevölkerung, wie Mobilität gestaltet werden sollte. Die Auseinandersetzung mit der Mobilität der Zukunft ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen, wie nicht zuletzt die Forderungen der Fridays for Future-Bewegung zeigen. Besonders in Ballungsräumen wird ersichtlich, dass das derzeitige Mobilitätsaufkommen zu Spannungen führt, sei es durch Umweltbelastung oder in Staus eingebüßte Lebenszeit. Die Aktualität des Themas Mobilität liegt insbesondere auch an der Vielfältigkeit der Einflüsse, an der Diversität der Lösungswege - und nicht zuletzt an den damit verbundenen Chancen und Risiken.

 

Durch das Spannungsfeld dieser zahlreichen Einflüsse bewegte sich die ScMI AG mit zehn Partnerunternehmen, um einen Blick in die Zukunft der urbanen Mobilität zu wagen. Mit Deutsche Bahn Connect GmbH, BMW Motorrad, Robert Bosch GmbH, hannoverimpuls GmbH, Hermes Germany GmbH, Innovationszentrum Niedersachsen GmbH, KNORR-BREMSE Systeme für Nutzfahrzeuge GmbH, MAN Truck & Bus AG, NTT DATA Deutschland GmbH sowie REWE Group waren ebenso hochkarätige wie diverse Unternehmen am Szenario-Prozess beteiligt. Es ist ein spannender Beitrag entstanden, der nicht nur differenzierte Bilder der zukünftigen urbanen Mobilität enthält, sondern vielmehr weitreichende Implikationen für vielfältige Player des Mobilitätssystems liefert.

 

So zeigen die entwickelten acht Szenarien mögliche Antworten auf Kernfragen aus den Bereichen Technologie, Politik und nicht zuletzt der Gesellschaft auf.

 

Die acht Szenarien greifen zahlreiche Unsicherheiten aus den verschiedenen Bereichen des Spannungsfeldes Mobilität auf. Von der Technologieentwicklung und -akzeptanz über Umwelt- und Verkehrspolitik bis hin zu Mobilitätsmustern der urbanen Bevölkerung ergeben sich so aussagekräftige und spannende Bilder der Zukunft. Erhalten Sie einen ersten Einblick in die spannende Welt der Mobilität von morgen:

 

Das Spießer-Szenario (Szenario 1)
Bewährtes bleibt bewahrt Klassische Mobilitätsangebote reichen für die Erwartungen der Bevölkerung vollkommen aus. Innovationen wird hingegen mit Misstrauen begegnet, Stagnation und Stillstand werden somit als positives Signal der Sicherheit wahrgenommen. Gleichzeitig verlieren urbane Zentren an Bedeutung, sodass die Nutzung von privaten, motorisierten Fahrzeugen vielerorts nicht nur möglich ist, sondern auch als notwendig angesehen wird. Dementsprechend erfolgen kaum Investitionen in eine Umstrukturierung der Infrastruktur. Für Mobilitätsanbieter besteht so kaum Innovationsdruck. Neue Mobilitätsmodelle finden dementsprechend kaum Beachtung und spielen eine untergeordnete Rolle.    
Das Evolutions-Szenario (Szenario 2)
Alles bleibt wie heute – nur besser Die Bevölkerung der Ballungsräume ordnet der Mobilität und dem damit verbundenen Zeitaufwand einen hohen Stellenwert zu. Durch die sich ergebene höhere Zahlungsbereitschaft entwickelt sich der Convenience-Anspruch der Mobilitätskunden als Haupttreiber von Innovationen im Mobilitätsbereich. Hiervon profitiert jedoch vor allem die Privatwirtschaft. Der Politik fehlt der nötige Gestaltungswille, aufgrund der untergeordneten Stellung von Ballungsräumen können keine neuen Infrastrukturmodelle umgesetzt werden. Durch das Festhalten an den bestehenden Raumkonzepten werden so Innovationen begrenzt.    
Das MIV-Innovations-Szenario (Szenario 3)
Technologie als Freund des Fortschritts So verstehen Politik und Gesellschaft die Entwicklung der innerstädtischen Mobilität. Aus dem Druck heraus, die gegebenen Bedingungen zu verbessern, entwickeln sich parallel verschiedenste Mobilitätsformen. So finden neben einer erhöhten Automatisierung auch alternative Antriebssysteme sowie eine Weiterentwicklung der Infrastruktur statt – sehr zur Freude der Nutzer. Auch die Umweltqualität kann so verbessert werden. Neben den in diesem innovationsfreudigen Klima auftretenden Chancen für neue Geschäftsmodelle entwickelt sich die Zersplitterung des Mobilitätsmarktes zu einer ganz neuen Herausforderung.    
Das Autonome-Mobilitäts-Szenario (Szenario 4)
Autonome Städte – autonomer Verkehr Ballungsräume nehmen ihre Mobilitätssituation selbst in die Hand. Sie greifen strikt im Sinne der Umweltverbessrung durch und bieten stattdessen einen gut vernetzten Kollektivverkehr. Aufgrund der Aufrüstung und Umwidmung bestehender Straßen gelingt so die Orchestrierung der Verkehrsströme. Zu einer Entlastung der Straßen trägt auch der Einsatz von Luftverkehren für die Güterbeschaffung bei. Mit dem großen Technologievertrauen geht auch ein erhöhter qualitativer Anspruch an Services einher.
Das Disruptions-Szenario (Szenario 5)
Nichts bleibt wie es war. Es weht ein frischer Wind durch Deutschlands Ballungszentren – auch wenn er für einige Mobilitätsanbieter von gestern auch zu einem stürmischen Orkan heranwachsen dürfte. Schließlich erfolgt eine Mobilitätswende, die sich ordentlich gewaschen hat: vom automatisierten Güter- und Kollektivverkehr bis hin zum persönlichen Luftfahrzeug bleibt kein Infrastrukturstein auf dem anderen. Die Stadtbevölkerung genießt ihr hippes, umweltfreundliches Lebensgefühl im vollen Vertrauen auf Technologie und Daten(-sicherheit).
Das Mein-Kiez-Szenario (Szenario 6)
Wiederentdeckung der nächsten Nähe Die Stadtbevölkerung hat keine Lust mehr, wertvolle Lebenszeit mit ödem Pendeln zu verbringen. Stattdessen wird sich die Digitalisierung zunehmend zu Nutzen gemacht und einfach direkt von zu Hause aus gearbeitet. Auch ist es doch viel bequemer, direkt in der eigenen Umgebung mit dem Fahrrad einkaufen zu gehen – den Rest gibt es schließlich online. So erfolgt ein Revival der Wohngebiete, welche sich zu eigenen Kiez-Identitäten im Ballungsraum entwickeln. Die Infrastruktur wird deutlich entlastet und der Trend zu Mikromobilität durch die Umwidmung von Straßen weiter gefördert.
Das Kollektiv-Szenario (Szenario 7)
Kollektivverkehr vor Individualverkehr Die Stadtbevölkerung wird den umweltverpestenden PKWs immer mehr überdrüssig und weicht so auf den öffentlichen Nahverkehr aus. Dieser wird von der Stadt intensiv gefördert, es werden ganze Straßen umgewidmet. Damit wird der motorisierte Verkehr immer mehr aus der Stadt gedrängt. Dies erfordert somit ein entschiedenes Umdenkenden hinsichtlich des Kundenfeldes in der Automobilbranche.
Das Connected-Cocooning-Szenario (Szenario 8)
Mobilität wird substituiert Mithilfe der Digitalisierung werden ganze Lebensbereiche in den Cyberspace verlegt. Dementsprechend ist das Mobilitätsverhalten stark rückläufig, angespannte Verkehrssituationen regulieren sich von alleine und die Umweltqualität verbessert sich in Ballungsräumen. Für Mobilitätsanbieter ergibt sich durch diese grundlegend geänderten Kundebedürfnisse eine schwierige Marktsituation mit sinkender Nachfrage und neuen Anforderungen.

 

 

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